Bessere Entscheidungen treffen: Eine simple Methode, die alle verblüfft (mit Beispiel)

Bei einigen von uns haut es einfach nicht hin!

Endlose Regalreihen mit vielen wunderbaren Produkten, aber wir können keine Entscheidung treffen. Wir greifen notgedrungen zu und sind am Ende nicht begeistert. Im schlimmsten Fall ist es das Falsche. Oder wir kehren unverrichteter Dinge wieder nach Hause. 

Ähnliches passiert beim Essen gehen, wenn die Auswahl auf der Speisekarte länger ist als der Abend. Oder beim Online Shoppen, wo uns Werbung und Ablenkung schnell in die Tiefe des Internets reissen. 

Und dann gibt es natürlich die richtig dicken Bretter in Beruf, Beziehung und Besitz. Entscheidungen, die uns heillos überfordern und sich in “Pro+Kontra-Listen” einfach nicht abbilden lassen wollen.

Wir haben gängige Entscheidungstechniken rauf und runter probiert, den Coach aufgesucht, uns im Loslassen geübt und geraten trotzdem immer wieder unter Druck.

Klingt irgendwie vertraut? 

Was, wenn es eine Methode gäbe, die einfach ist, jederzeit anwendbar und dazu auch noch funktioniert?

Das muss ein Witz sein? Keineswegs. 

Warum Entscheidungen treffen so schwer sein kann

Unser ganzes Leben besteht daraus, Entscheidungen zu treffen. Ob wir es wollen oder nicht. Und zwar jeden Tag und ohne Unterlass. Vieles machen wir dabei aus Gewohnheit, denn unser Unterbewusstsein regelt Dinge — ein verlässlicher Autopilot, der uns sicher durch den Alltag steuert.

Gut so, denn sonst kämen wir zu nicht viel anderem.

Aber dann gibt es da auch die Entscheidungen, die wir bewusst treffen. Dazu gehören die großen lebenswichtigen (auch wenn sie sich am Ende vielleicht gar nicht als solche herausstellen) und die weniger prominenten: eine neue Crème, ein anderes Reiseziel, ein gutes Buch. Die Liste ist endlos, ebenso die Auswahl.

Foto auf Canva

Wenn wir uns von Gewohnheiten verabschieden und Neues anvisieren, geraten viele Menschen in Stress. Mit Verstand und Ratio versuchen wir, der Lage Herr*in  zu werden. Kommt dann noch das Bauchgefühl dazu, wird die Wahl ganz schnell zur Qual.

Und je mehr Optionen wir haben, desto schwieriger wird es (für viele). Das bekannte  Experiment mit etwas so simplen wie Marmelade zeigt z.B., dass Kunden bei einem Überangebot oft völlig überfordert zurückschrecken.

Und schon wird selbst der Kauf einer Kleinigkeit zur Herausforderung.


„So ein Laden wie Starbucks hat nur einen Sinn: entscheidungsschwachen Menschen beizubringen, sechs Entscheidungen zu treffen, um nur eine Tasse Kaffee zu kaufen“
– T. Hanks

Wo sich Entscheidungen in unserem Körper auswirken

In 2014 wurde eine interessante Studie veröffentlicht. Forscher hatten sich u.a. die Frage gestellt, wie sich das Fällen von Entscheidungen (besonders unter Druck) in unserem Körper bemerkbar macht. Die Testpersonen wurden in 2 Gruppen unterteilt.

Gruppe 1: Probanden, die sich tendenziell eher zögerlich entscheiden

Gruppe 2: Menschen, die üblicherweise schnell dabei sind

Es ging es darum, die Entscheidungsfähigkeit dieser Probanden in unterschiedlichen Stress-Szenarien zu testen und mögliche neuropsychologische Auswirkungen bei diesen Prozessen zu beobachten.

Das Ergebnis in Kürze:

  • Sobald sich der Druck auf die Probanden erhöhte, nahm ihre Fähigkeit ab, schnell und effektiv Entscheidungen zu treffen. Das traf auf beide Gruppen gleichermaßen zu.
  • Die Abnahme dieser Fähigkeit wirkte sich auch auf körperlicher Ebene aus. Durch gezielte Messungen der Herzratenvariabilität (mehr dazu später.) konnten die Forscher zeigen, dass die Tätigkeit des Parasympathikus — unserer inneren Bremse — schwächer wurde.

Die Forscher schlussfolgerten, dass  das Autonome Nervensystem bei zunehmender Stressbelastung aus dem Gleichgewicht gerät. Der Parasympathikus fällt geschwächt zurück.

Was bedeutet das?

Wer in unserem Inneren eigentlich steuert

Wie wir gesehen haben, hat der Parasympathikus etwas damit zu tun, wie wir Entscheidungen treffen. Viele haben sicher schon von ihm gehört. Aber bei der Frage, was er ist und wozu er uns nützt, sind es nicht mehr ganz so viele. Und das hat Konsequenzen.

Gucken wir uns den Herren einmal genauer an: Der Parasympathikus ist ein Teil unseres Autonomen Nervensystems, unseres körpereigenen Betriebssystems. Dort ist er natürlich nicht alleine. Er hat ein Gegenüber, den Sympathikus.

 

           

Zunächst zum Parasympathikus: Dieser hat verschiedene Aufgaben, die zusammengenommen für unser emotionales Wohlergehen sorgen. So stellt er (im Idealfall) sicher, dass wir regenerieren, den Fuß vom Gaspedal des Lebens nehmen, entspannen und gut erholt durch die Nacht kommen.

Denn er

  • verlangsamt den Herzschlag
  • vermindert die Produktion von Stresshormonen
  • verengt die Pupillen und
  • stimuliert den Verdauungsprozess.

All das und vieles mehr geschieht, wenn der Parasympathikus Platz und Ruhe hat, seine Aufgaben ordnungsgemäß wahrzunehmen. Beides wird ihm oft streitig gemacht, denn sein Gegenüber ist mächtig und hungrig.

Warum?

In unserer heutigen Welt dominieren Schnelllebigkeit, Chaos und Stress. Vieles steht Kopf. Der Sympathikus hat Hochbetrieb und ist im Dauereinsatz. Er manövriert uns durch den hektischen Dschungel des Alltags. Er hält uns in Schwung und auf Trab. Er treibt uns an (oft mehr als eigentlich nötig wäre).

Geben sich beide Herren die Hand, läuft’s optimal für uns — wenn nicht, kippt das System. Wir schlafen schlecht, sind gereizt, unausgeglichen und entscheidungsunfreudig.

Foto auf Canva

Kurze Verschnaufpausen reichen selten, wieder ins Lot zu kommen. Wenn der Antreiber über lange Phasen die Oberhand hat, geraten wir langfristig in Schieflage. Gesundheitliche Folgen sind vorprogrammiert.

Wie wir unseren inneren Manager zum Laufen bringen

Wie wir in der Studie gesehen haben, beeinflusst zusätzlich erzeugter Stress bei den Testpersonen offensichtlich die Entscheidungsfindung. Je mehr Druck ausgeübt wurde, desto schwächer wurde die parasympathische Tätigkeit bei den Probanden.

Im Umkehrschluss heisst das also: Um zukünftig  besser entscheiden zu können, brauchen wir einen starken Parasympathikus. Wir müssen ihn trainieren.

Foto auf Canva

Glücklicherweise brauchen wir dazu nichts, was wir nicht schon haben.

Ein Aspekt der Arbeit von HeartMath ist die gezielteAtmung (dass noch mehr dazu gehört, sehen wir gleich). Und das aus einem bestimmten Grund. Sie ist eine der wenigen Körperfunktionen, die wir selbst regulieren können. Wir können schneller oder langsamer atmen. Wir können die Luft anhalten oder außer Atem geraten.

Und der Parasympathikus spielt hier eine zentrale Rolle.

Denn er wird bei der Ausatmung aktiviert.

Naturgemäß erfolgt diese automatisch. Aber wir können sie bewusst ansteuern und damit ihren Rhythmus zu verändern.

Kurz: Mit gezielten herzzentrierten Atemzügen können wir dem Parasympathikus die richtigen Muckis antrainieren.

Wie machen wir das?

Wie wir langfristig bessere Entscheidungen treffen

Richtig atmen kann jede(r). Aber die wenigsten tun es. Denn die Atmung läuft (meist unbeachtet) im Hintergrund ab. Wir brauchen uns nicht darum zu kümmern. Erst wenn wir unsere Atmung beobachten, bekommen wir mit, was eigentlich passiert.

Und das ist das Startsignal.

Schritt 1: Herzatmung

Das klingt zunächst ungewohnt, ist aber ganz einfach. Wir richten unsere Aufmerksamkeit auf die Mitte unseres Brustkorbs. Wir stellen uns vor, dass wir durch die Herzregion ein- und ausatmen. Wir atmen dabei langsamer und tiefer als gewöhnlich. Hilfreich ist anfangs, sich dabei die Hand auf den Brustkorb zu legen und die Bewegung so mitzuverfolgen.

Schritt 2: Herzgefühl

Wir rufen bewusst etwas Angenehmes auf — ein Gefühl der Wertschätzung oder Dankbarkeit z.B. Dieses kann für eine andere Person sein oder für etwas Wichtiges in unserem Leben (Hobby, Urlaub, Lieblingsort). Und während wir das tun, empfinden wir das Gefühl nach, das sich einstellt, wenn wir dankbar sind, uns an einem besonderen Platz aufhalten oder etwas Großartiges vollbracht haben.

Wir bleiben für einige Minuten in diesem Herzgefühl.

Foto auf Canva

Wenn unser Sympathikus die Oberhand hat, kann diese als Quick Coherence (schnelle Herzkohärenz) bekannte Technik Abhilfe schaffen. Mit ein bisschen Übung und regelmäßiger Anwendung schaffen wir Platz für den Parasympathikus und finden so zurück in eine gesunde Balance.

Die Vorteilen eines gestärkten Parasympathikus lassen sich sehen:

  • mehr Klarheit
  • zunehmende Gelassenheit (auch in schwierigen Situationen)
  • gesteigerte Entscheidungsfreudigkeit
  • effektivere Problemlösung
  • erhöhte Energie und Motivation
  • aktivere körpereigene Regenerationsprozesse

Der Einstieg ist tatsächlich so einfach!

Ein spannender Hinweis: In Balance sein hat ebenfalls Auswirkungen auf unsere Lebenserwartung. Wie, das zeigen wir in unserem jüngsten Blogbeitrag  “Was wir von Nonnen lernen (und damit steinalt werden können)”.

Wie uns Biofeedbacksysteme unterstützen

Biofeedbacksysteme sind schon lange im Umlauf und umfassend erprobt. Sie geben wertvolle Rückschlüsse auf wesentliche körperliche Zustände und machen diese auf Monitoren sichtbar. Und wie so oft im Leben:

Sobald wir sehen, was geschieht, steigt unser Vertrauen.

Für uns ist im Zusammenhang mit Entscheidungsfindung die Messung der Herzratenvariabilität (HRV) interessant, wie wir in den Studienergebnissen oben gesehen haben. Sie zeigt uns nämlich schnell und zuverlässig, wenn im Körper etwas nicht stimmt.

Vereinfacht ausgedrückt: Die HRV ist die Fähigkeit unseres Körpers, die Abstände zwischen den jeweiligen Herzschlägen zu verändern. Und diese Variationsfähigkeit ist von entscheidender Bedeutung.

Denn NICHT die Menschen sind fit, die den gleichen Abstand zwischen 2 Herzschlägen haben. Es sind die, bei denen die Abstände variieren — pauschal gesagt: je größer der Abstand, desto vitaler ist die Person.

Mit einer gezielten Atem- und Fokussierungstechnik wie der Quick Coherence gelingt es uns definitiv, diese Variabilität zu steigern. Und wer das regelmäßiger überprüfen möchte, kann mit einem kleinen Messgerät arbeiten wie z.B. dem Inner Balance Sensor oder dem emWave Pro.

Im folgenden Video demonstrieren französische Kampfpiloten — die in Extremsituationen blitzschnell sichere Entscheidungen treffen müssen — wie sie bereits mit wenigen konzentrierten Atemzügen den Verlauf ihrer HRV ändern konnten.

Auch unter Stressbedingungen bleiben ihre Kurven rhythmisch.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Spannend, oder?

Warum wir nicht mehr warten sollten

Der Atem hält uns am Leben. Dass er in Verbindung mit dem Herzen sehr viel mehr kann, haben wir jetzt gesehen. Wenn wir Entscheidungen treffen, steht er uns zur Seite.

Und damit können wir das Training des Parasympathikus starten. Fokus und ein wenig Übung — dann haben wir ihn schnell da, wo wir ihn haben wollen.

Wenn wir mehrmals am Tag regelmäßig dranbleiben, merken wir bereits innerhalb weniger Tage, dass wir sehr viel öfter mit unserer Aufmerksamkeit bei der Atmung und dem Herzen sind. Jedes mal bekommt unser Parasympathikus mehr Platz und Kraft.

Foto auf Canva

Und wenn wir das nächste mal wieder vor einer größeren Entscheidung stehen, kann es sehr gut sein, dass wir schneller als sonst üblich mit der richtigen im Gepäck die nächste Etappe antreten.


Mehr zum Thema

Links:

HeartMath Online Programme:

Buchtipps:

vorheriger Beitrag: «

nächster Beitrag: