Das Herz als wahrnehmendes und Informationen sendendes Organ

Ein philosophischer Aufsatz von Kurt Hünting

Der Hl. Anselm von Canterbury, der im Mittelalter (1033-1101) lebte und ein Philosoph der Kirche war, schrieb das kleine Buch „Proslogion“, in welchem er versuchte, einen Gottesbeweis zu definieren: „Deus enim est id quo maius cogitari non potest.“(Proslogion, Kapitel 4) (=Gott ist nämlich das, über das hinaus nichts Größeres gedacht werden kann.) Im gleichen Kapitel des Proslogion finden wir eine noch wichtigere Aussage des Hl. Anselm: „Verum quomodo dixit in corde quod cogitare non potuit; aut quomodo cogitare non potuit, quod dixit in corde, cum idem sit cidcere in corde et cogitare? Quod si vere, immo quia vere et cogitavit quia dixit modo dicitur aliquid in corde vel cogitatur.” (= Auf welche Weise hat er die Wahrheit im Herzen gesagt, was er nicht denken konnte, oder auf welche Weise konnte er nicht denken, was er im Herzen sagte, weil doch im Herzen sagen und Denken dasselbe ist? Weil er es wahrhaft dachte, weil er es im Herzen sagte, und nichts im Herzen sagte, weil er es nicht denken konnte: So wird irgendetwas nicht nur auf eine Weise im Herzen gedacht oder gesagt.) Das Herz kann (emotionale) Wellen wahrnehmen und Wellen als emotionale Informationen senden, deshalb kann der emotionale Zustand des Herzens einer anderen Person wahrgenommen werden, wenn derjenige, der Wellen (oder emotionale Informationen) empfängt, ein offenes Herz hat.

Jesus konnte dies, er spürte, was in den Herzen seiner Freunde und Mitmenschen vor sich ging, welche Emotionen und Gedanken in deren Herzen gesagt und gedacht wurden, als er fragte: „Quid ista cogitatis in cordibus vestris?“ Mk. 2,8 (= Was denkt ihr dieses da in eurem Herzen?) Da also das Sprechen im Herzen und das Denken nach Anselm von Canterbury dasselbe waren, kann man philosophisch definieren: Man denkt auch mit dem Herzen und nicht nur mit dem Kopf. Auch das wissenschaftliche Denken, das heutzutage zu verkopft ist, braucht mehr humanes Fühlen mit dem Herzen und emotionale Lebendigkeit.

Dr. Larry Dossey hat dies in seinen Werken schon angedeutet und mehr Humanität in der Medizin gefordert (in: Reinventing Medicine, One Mind, Recovering of the Soul). Weil das Herz nicht nur eine Pumpe ist, sondern auch ein denkendes, wahrnehmendes und fühlendes Organ ist, welches (Funk-) Wellen emotionaler Informationen aussenden kann, hat es einen festen Platz in allen Wissenschaften verdient. Das Herz hat eine Ausstrahlung durch sein elektromagnetisches Feld, das weitaus größer ist als das des Gehirns.

Schon der Hl. Benedikt wusste um die Bedeutung des menschlichen Herzens

Er schrieb zu Beginn seiner Ordensregel: „Inclina aurem cordis tui!“ (= Neige das Ohr deines Herzens!) Wir können mit dem  Herzen auch hören, hören wie der Herzton in der Stimme klingt. Menschen mit einem offenen und fühlenden Herzen haben einen weicheren und sanfteren Klang in der Stimme. Das Herz kann auf vielerlei Weise wahrnehmen, fühlen und denken. Anselms Worte „dicere in corde“ stammen wohl aus der Benediktus-Regel, denn Anselm war ein Geistlicher des Benediktinerordens. Das Herz kann Emotionen eines anderen Herzens fühlen und erspüren, wenn es offen und seiner Möglichkeiten und Fähigkeiten bewusst ist.

Es ist wichtig und notwendig, dass das Herz einen Platz in allen Wissenschaften bekommt: in der Medizin, Psychologie, Philosophie, Theologie, in den Sozialwissenschaften und anderen Wissenschaften. Auch der Kirche fehlt es an Herz, auch ihr Reden und Handeln sind zu verkopft und zu wenig lebendig. Der Apostel Paulus schrieb in seinem Brief an die Römer: „Spes autem non confundit, quia caritas Die diffusa est in cordibus nostris per Spiritum Sanctum, qui datus est nobis.“ Röm. 5,5 (= Die Hoffnung lässt einen nicht aus der Fassung bringen, denn die Liebe Gottes wurde ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben wurde.) (Heiliger) Geist kann local (örtlich) in den Herzen einzelner Menschen da sein und zugleich auch non-local (nicht örtlich) also im Universum sein.

Feldtheorie

Rupert Sheldrake schreibt in seinem Buch „Der Wissenschaftswahnsinn“: „Es gibt einen Ausweg, nämlich die Feldtherorie des Geistes. Felder können sich in materiellen Dingen und außerhalb befinden, dieser Gedanke ist uns vertraut. Das Magnetfeld ist im Magneten und erstreckt sich in seine Umgebung.“ So ist es auch mit dem Herzen, das durch sein elektromagnetisches Feld eine kleine oder große Ausstrahlung haben kann, wenn es offen ist und wahrnimmt.

Nicht nur Rupert Sheldrake, sondern auch Dr. Eben Alexander, Dr. Larry Dossey, Pim van Lommel, Peter Russel und Joseph Chilton Pearce sind der Auffassung, dass der Materialismus ausgedient hat. Roger Penrose und Hal Puthoff forschen nach einem weltweit umspannenden Netz, das Informationen über eine größere Distanz transportieren kann. Russel Targ hat mit seinem „Remote Viewing“ die Möglichkeiten der Fernwahrnehmung aufgezeigt. Dr. Larry Dossey hat in seinen Bestseller „Healing words“ nachgewiesen, dass Gebet über eine größere Distanz wirksam und nützlich sein kann, weil es (durch die Wirkung eines Geistes) über größere Entfernungen sein Objekt erreicht, für das er Wohl und Heil erbittet.

Das elektromagnetische Feld des Gehirns ist zu schwach, als dass es Informationen über eine gewisse Entfernung empfangen oder aussenden könnte. Anders ist es mit dem Herzen: Als Organ, das emotionale Informationen durch sein elektromagnetisches Feld wahrnimmt und als Wellen aussendet, ist das menschliche Herz sowohl Sender als auch Empfänger von (Funk-)Wellen, die emotionale Informationen über eine Person beinhalten. Also denkt man mit dem Herzen am Besten, weil die Liebe, die bedingungslose Liebe, darin steckt, und man betet und fühlt mit dem Herzen am Besten, eben am Wirkungsvollsten, weil jedes Handeln mit dem Herzen über eine größere Entfernung wirkt.

Die Intelligenz des Herzens

Joseph Chilton Pearce schrieb in seinem Buch „The Heart-Mind Matrix“: „Herzintelligenz bewegt sich nur auf das Wohl-Sein eines Selbst, des Körpers und der Welt zu.“ Und in „Biologie der Transzendenz“ schreibt er: „Das elektromagnetische Feld des Herzens ist holographisch und greift selektiv auf Frequenzen aus der Welt, aus unserem Sonnensystem und den Bereichen jenseits davon zurück. Mit Hilfe der Aktivität der Gliazellen selektiert unsere neurales System das Material, das für die Strukturierung der Welt aus den elektromagnetischen Feldern, die vom Herzen aus durch das Herz hindurch koordiniert werden, notwendig ist.“ Joseph Chilton Pearce war sozusagen ein großer Pionier bei der Entdeckung der Herzintelligenz.

Auch Paul Brunton hat die Bedeutung des menschlichen Herzens bei der Wahrnehmung und beim Aussenden von emotionalen Intentionen in seinen Werken betont, besonders als Wohnort des „Overself“ (des Überselbst) und des Geistes. Für ihn war das Herz auch ein spirituelles Organ, in das wir hineinschauen und auf das wir hören sollten. In seinen Werken „The Quest of the Overself“, „The Secret Path”, „The Inner Realtiy” und „Instructions for Spiritual Living” betont er die Wichtigkeit des Herzens, um über unsere Seele zum Göttlichen zu finden. So schrieb er in „The Quest of the Overself“: „Wir sollen entdecken, dass das Herz unseres Seins auch das Herz des Universums ist, und das ist gut so.“ Das Herz ist nicht nur ein materielles Organ, das pumpt und den menschlichen Körper am Leben hält, es ist auch ein wahrnehmendes, denkendes, fühlendes und Informationen aussendendes Organ, das zugleich spirituell ist und seine eigene Intelligenz hat, mit dem wir meditieren.

 

Alle Menschenherzen in der Welt sind verbunden, wir müssen unsere Herzen nur offen halten. Nur ein offenes Herz kann Wellen der Liebe empfangen und ausstrahlen!

 

Bibliographie:

  • Dr. med. Eben Alexander, Tore ins unendliche Bewusstsein, München 2018
  • Dr. med Eben Alexander, Vermessung der Ewigkeit, München 2017
  • Dr. Larry Dossey, One Mind – Alles ist mit allem verbunden, Amerang 2014
  • Dr. Larry Dossey, Recovering the Soul, New York 1989
  • Dr. Larry Dossey, Heilende Worte, Amerang 1993
  • Dr. Larry Dossey, Reinventing Medicine, San Francisco 1999
  • Rim van Lommel, Endloses Bewusstsein, München 2009
  • Rupert Sheldrake, Der Wissenschaftswahn, München 2015
  • Rufpert Sheldrake, Ways to go beyond an why the work, New York 2019
  • Russel Targ, Limitless Mind, Novato/California 2004
  • Peter Russel, Waking up in Time, San Francisco 1992
  • Joseph Chilton Pearce, The Heart-Mind Matrix, Rochester 2012
  • Joseph Chilton Pearce, Biologie der Transzendenz, Freiamt 2004
  • Dr. med. Dean Ornish, Die revolutionäre Therapie – Heilen mit Liebe, München 1999
  • Paul Brunton, The Inner Reality, Berkeley 2016
  • Paul Brunton, Instructions for Spiritual Living, Rochester 2019
  • Paul Brunton, The Quest of the Overself, London 2003
  • Paul Brunton, The Secret Path, London 2003
  • Gary Zukav, Seat of the Soul, New York 2014
  • Anselm von Canterbury, Proslogion, Anrede, lat./dt. Stuttgart 2005
  • Die Benediktusregel, herausgegeben von Basilius Steigle, lat./dt. Beuron 1980

 

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